NILS PLATH

Zur Person

Lehren und Forschen

In Schriften

Mit Worten

Kontakt

LEHREN UND FORSCHEN

Lehren und Forschen

seit 2009 bis heute Mitglied der Graduiertengruppe des literaturwissenschaftlichen Forschungsforums „Texte.Zeichen.Medien“ an der Universität Erfurt;
Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und am Lehrstuhl für Neure Deutsche Literaturwissenschaft

2010 — 2012 wiss. Angestellter, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich Design der Fachhochschule Münster,
Lehrauftrag für Designtheorie, Literatur- und Medientheorie

2007 — 2010 wiss. Lehrtätigkeit an den Universitäten Osnabrück (Fachbereich Literaturwissenschaft und Linguistik, Europäische Studien),
Münster (Germanistisches Institut), Potsdam (Europäische Medienwissenschaft) und an der Fachhochschule Münster (Fachbereich Design)

2003 — 2007 wiss. Mitarbeiter am Projekt der VW-Stiftung "Die Blicke der Anderen.
Reisen zwischen den Metropolen Berlin, Paris, Moskau", Universität Osnabrück

2000 Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der University of California in Irvine (UCI),
Department for Comparative Literature, auf Einladung von J. Hillis Miller; DAAD-Stipendium

1999 — 2003 Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs "Europäische Integration"
an der Universität Osnabrück

1995 — 1999 student. u. wiss. Mitarbeiter der Arbeitsstelle Wissenschaft
und Praxis/Kulturwissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster

seit 1995 Lehrbeauftragter an den Hochschulen
Universität Erfurt
Universität Potsdam
Universität Osnabrück
Fachhochschule Münster
Westfälische-Wilhelms Universität Münster




Liste der Lehraufträge

Lehrauftrag an der Universität Erfurt, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft

„Orte-Landschaft-Zeit-Lesen (um 1800)“, Wintersemester 2013/14
„Orte-Landschaft-Zeit-Lesen (nach 1960)“, Wintersemester 2013/14
„Landschaftsinschriften“, Sommersemester 2013
„Der Deutsche Wald erzählt: Mythos Bilder Geschichten“, Wintersemester 2011/2012
„‚Wir‘ mit Worten. Lektüren zu Sprachreflexionen in (literarischen) Selbst-Gesprächen“, Wintersemester 2010/11
„Karl Philipp Moritz’ Schriften in und zur Anschauung“, Sommersemester 2010
„Nach der Natur. Naturschilderungen im 18. und 19. Jahrhundert“, Wintersemester 2009/10
„Kluge-Medien-Lese: Lektüren mit Geschichte und Eigensinn in Alexander Kluges Prosa, Filmen, Fernseharbeiten“, Wintersemester 2009/2010
„Bildbeschreibungen. Übersichtliches zu Bild-Text-Texten“, Sommersemester 2009
„Zeit-Lesen. Einführungslektüren in Texte zum Heute, Gestern, Morgen“, Sommersemester 2009
„Erzählen von Orten — Orte des Erzählens“, Wintersemester 2008/2009
„Dada - Schrift-Laut-Bild-Betrachtungen zur literaturhistorischen Einführung“, Wintersemester 2008/2009
„Beschriebene Landschaften in deutscher Literatur 1750 – 2000“, Sommersemester 2008
„Die Stadt, der Text, die Zeit. Großstadtbeschreibungen im 20. Jahrhundert“, Sommersemester 2008


Lehrauftrag für Designtheorie, Literatur- und Medientheorie an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Design
Wald – Bild – Geschichten. Zur Einführung in die Text-Theorie und Textgestaltung“,
Wintersemester 2011
„Schreib­Werk­Praxis – Übungen und Lektüren zum Text­Verfassen und Bild­Beschreiben. Einführung in die Text-Theorie und Textgestaltung “, Wintersemester 2011
„Nichts als Reste. Zu Ästhetiken der Wiederverwendung von Text und Bild“, Sommersemester 2011
„Schreib-Werk-Praxis. Übungen und Lektüren zum Text-Verfassen und Bild-Beschreiben“, Sommersemester 2011
„Den Text betreffend. Lektüren zu Paratexten und Beiwerken von Text, Bild, Ton“, Wintersemester 2010/2011
„Buchmacher. Besuche in der Praxis“, Wintersemester 2010/2011
„Kluge-Bild-Texte: Betrachtungen zum Realismus der Bilder“, Sommersemester 2010
„Kluge-Medien-Lese: Nachlesen in Alexander Kluges Prosa, Film u. TV-Arbeit“, Sommersemester 2010
„Pop in Text und Bild (1965-2010)“, Wintersemester 2009/2010
„Gehen und Sehen. Ansichten zur Beschreibung und Darstellung von Bewegung“, Wintersemester 2009/2010
„Grundlagen der Textgestaltung“, Wintersemester 2008/2009
„Bilderschriften und Schriftbilder“, Wintersemester 2008/2009
„Resonanzräume und Musikzimmer. Klang, Ort und Literatur“, Sommersemester 2008
„Luftbilder. Landschaft und Kartografien in Literatur seit 1750“, Wintersemester 2007/08
„Autorenporträt: Heiner Müller“, Sommersemester 2007
„Stimmen. HörTextPraxis: Hubert Fichte/Rolf Dieter Brinkmann/Rainald Goetz“, Wintersemester 2006/2007
„Aufbewahrungsorte und Archivprozesse“, Sommersemester 2006
„Kalifornien lesen“, Wintersemester 2005/2006
„Der Tourist: Reisender in der Gegenwart“, Sommersemester 2005
„Landschaftsaufnahmen: Wanderbilder in deutscher Literatur“, Wintersemester 2004/05
„Textgestaltung: Stadtbilder“, Sommersemester 2004
„Zeitmitschriften: Tagebuchformate“, Wintersemester 2003/2004
„Paratexte“, Sommersemester 2003
„Textgestaltung: zur Einführung“, Wintersemester 2002/2003


Lehrauftrag an der Universität Potsdam, Europäische Medienwissenschaft
„Kluge-Medien-Lese. Lesen und Sehen mit Geschichte und Eigensinn in Alexander Kluges Prosa, Filmen, Fernseharbeiten“, Wintersemester 2009/2010

Lehrauftrag an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut
„Beschriebene Landschaften. Literatur, Natur und Kultur“, Sommersemester 2008

Lehrauftrag an der Universität Osnabrück, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft, Germanistik und Europäische Studien
„Unzeitgemäß zeitgemäß: Karl Philipp Moritz“, Sommersemester 2007
„Stimmen und die Autorität des Literarischen: von Echo und Sirenen in d. Literatur“, Wintersemester 2006/2007
„Textlandschaften: Natur bei Adalbert Stifter und Elfriede Jelinek“, Wintersemester 2004/2005
„Mit Recht sich andere Texte aneignen: Bertolt Brechts und Heiner Müllers Zitatverfahren“, Sommersemester 2003
„Das amerikanische und das europäische Haus: zwei Bilder für Identitäten in deutscher Literatur seit 1850“, Wintersemester 2002/2003
„Die Zitate - übertragende Redefiguren in Literatur und Theorie“, Wintersemester 1999/2000
„Fiktionales versus dokumentarisches Erzählen: Realismuskrisen“, Sommersemester 1998

Lehrauftrag an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Angewandte Kulturwissenschaft
„Texte zu Kunst. Verhältnisse in Bild und Literatur“, Sommersemester 2001
„Archiv Katalog Zettelkasten“, Wintersemester 1999/2000
„Dokumentarfilm: Realität, Fiktion, Repräsentation“, Sommersemester 1998
„Interview, Gespräche, Talkshow: Theorie und Praxis“, Wintersemester 1997/1998
Grundstufenseminare "Einführung in die Kulturwissenschaften", Sommersemester 1997 – Sommersemester 2000

Workshopleitungen (Auswahl)
Hochschule für bildende Künste Hamburg
Kunsthochschule für Medien Köln
California Institute of the Arts, Valencia/Los Angeles, USA
Kunstakademie Münster

Tagungs- und Konferenzorganisationen
„Europa – Stadt – Reisende“, Abschlußtagung des Projekts „Die Blicke der Anderen“. Universität Osnabrück, Juni 2006.
„Die Blicke der Anderen. Reisen zwischen den europäischen Metropolen Berlin, Paris und Moskau“, Internationale Tagung, Universität Osnabrück Juni 2004.
3. Internationales Symposium des DFG-Graduiertenkollegs „Europäische Integration,“ Universität Osnabrück, Februar 2003. Thema: Kulturelle Differenzen und die politisch-soziale Integration in Europa.
2. Internationales Symposium des DFG-Graduiertenkollegs „Europäische Integration,“ Universität Osnabrück, Germany, November 2001. Thema: Die Europäische Union: Außenbeziehungen und innere Differenzierung.
1. Internationales Symposium des DFG-Graduiertenkollegs „Europäische Integration,“ Universität Osnabrück, November 2000. Thema: Die EU: eine politische Gemeinschaft im Werden?




Kommentierte Liste der Lehrveranstaltungen



Lehrveranstaltungen an der Universität Erfurt, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft,
Neuere deutsche Literaturwissenschaft


„Orte-Landschaft-Zeit-Lesen (um 1800)“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2013/14
Landschaften, in literarischen Texten des ausgehenden 17. Jahrhunderts wiederholt zum Gegenstand von Beschreibungen gemacht, sind ein zentrales Motiv der Zeit um die Epochenzäsur 1800: In ihren Schilderungen finden sich zeitaktuelle Vorstellungen von Natur und Kultur, Raum und Zeit, Ganzheit und Teil, Dauer und Gegenwärtigkeit mit Worten illustriert. Zuvorderst in Beschreibungen von Gärten (u.a. Goethes „Wahlverwandtschaften“) und von Reisen (bei Karl Philipp Moritz, Georg Forster, Johann Gottfried v. Herder, Johann Wolfgang v. Goethe) sind diese mal fern und fremden und mal naheliegenden Räume der Selbstverortungen und Standortreflexionen der zeitgenössischen Betrachter als ästhetische wie als politische Konstruktionen in Texten lesbar. Sie als „beschriebene“ zu sehen, d.h. zu lesen, heißt sie als fortsetzende Nachlesen von literarischen und theoretischen Vorschriften zu erkennen, in denen Weltansichten in Texten transportiert werden – in Büchern beispielsweise, wie sie an bestimmten prominenten Stellen der im Seminar behandelten Romane, Reiseberichten und Tagebucheintragungen durch die Landschaft mitgeführt werden. Durch diesen Fokus werden Landschaften als textuell-zeichenhafte Leseräume sichtbar, in denen sich Vorstellungen wie die vom sich in der Landschaft behauptenden Subjekt verlieren können.

Readings in Sites-Landscape-Times (around 1800)
Descriptions of landscapes show a significant presence in literary texts around the famous caesura of „around 1800.“ They can be read as illustrations of contemporary notions of nature and culture, space and time, totality and fragmentation, duration and change. This is the case most often in descriptions of gardens (see: Goethe's Wahlverwandtschaften) and in travel literature (Karl Philipp Moritz, Georg Forster, Johann Gottfried v. Herder, Johann Wolfgang v. Goethe). Whereas a rather traditional view tries to interpret such passages in order to define the contemporary 'subject,' this seminar will be the place to re-read them with particular interest in the appearance of traces and subjects of readings (i.e. books). This will lead to a re-examining of claims that the modern subject formation of the period took place in spaces and landscapes, and rather propose the idea that it was the interaction through means of media, i.e. various reading practices, that makes senders and receivers, coming to be known as subjects „around 1800.“


„Orte-Landschaft-Zeit-Lesen (nach 1960)“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2013/14

Die Zäsur „ab 1960“ markiert in der beschreibenden Wahrnehmung von Landschaft und Orten in der – deutschsprachigen – Literatur den Beginn einer Phase von Neuperspektivierungen. Davon zeugen literarische Texte, die in ganz unterschiedlicher Verfasstheit als multimediale Konstruktionen lesbar werden, multimediale Aufnahmen textueller Wirklichkeiten darstellen. Wo in ihnen Worte den Bilder von der Straße, den Bilder aus dem Kino, den Worten der Traditionen, der Abbrüche und Ruinen, der Neuaufnahmen und begegnen – formalistisch verzeichnet unter dem nur unzureichenden Begriff der Intertextualität. Aneignungsverfahren, die das Spezifische des Literarischen nachlesbar machen, werden in diesem Lektüreseminar in Texten von Peter Handke, Hubert Fichte, Peter Weiss, Ingeborg Bachmann behandelt; begleitet von Filmlektüren (John Ford, Alexander Kluge...).

Readings in Sites-Landscape-Times (after 1960)
The period „after 1960“ marks a time in German literature in which a fundamental change towards the notion of the site and landscape – thus the idea of time and temporality – can be viewed. The seminar will be the place to excavate some of the traces that bear witness to the influence of different media on this process, and on the mediatization of various aspects of the contemporary as expressed by the particular means of language in literary texts.


„Landschaftsinschriften“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Sommersemester 2013

Nachzulesen, wie man Schriften in Landschaften zu sehen bekommt, dem soll dieses unter das titelgebende Kompositum „Landschaftsinschriften“ gestellte Seminar vorrangig gewidmet sein. Im Vordergrund der Betrachtungen stehen dabei so nicht Beschreibungen von Landschaften oder Landschaftsschilderungen, sondern manifeste Schriftzeichen, wie sie sich in Landschaften eingefügt lesbar zeigen – sei es als in literarischen Texten beschriebene oder in bildlichen Darstellungen zu entdeckende. Schriftbildlichkeit angesichts von Landschaften in Blick zu nehmen, heißt jene somit als Darstellungsräume anzusehen, in denen sich zeitgebunden Lektüren innerhalb von Bildbetrachtungen wie als Schriftbildbeschreibungen vollziehen. Sie als konkrete lokale Bildräume anzusehen, als welche die Landschaften in Texten wie anderen medialen Darstellungen bezeichenbar sind, heißt folglich auch nach der Position des und der Lesenden in ihrer Zeit in und inmitten bestimmter, mittels der Konstruktion von „Landschaft“ darstellend erzeugten medialen Relationen zu fragen. Wiederholt wird der Ausgangspunkt für die in diesem Seminar unternommenen Überlegungen und Erörterungen zu Landschaft und zur Schrift Walter Benjamins „Einbahnstraße“ (1928) sein. Durch die Lektüren ausgewählter Eintragungen in dieser für das Verständnis von Positionen zur Schrift im Raum des frühen 20. Jahrhunderts zentralen Prosastücksammlung und weiterer Texte Benjamins wie seinem Moskauer Tagebuch und Reise- und Stadtaufzeichnungen gilt es, in Text- und Bildlektüren konstellativ Zusammenhänge herzustellen zwischen so verschiedenen Motiven wie Garten, Ruine, Friedhof, Baustelle, Denkmal, Fassaden, Werbung sowie ihrer Ikonografie und konkreten Medialität, die je für sich und zusammen die „Lesbarkeit der Welt“ (H. Blumenberg) behaupten und Ansichten zu Schrift und Bild reflektieren lassen. Kulturgeschichtlichen Darstellungen zur Konstruktion von Landschaft und zur Geschichte von Schriftzeichen im Raum werden von Beschreibungen und Verbildlichungen der Gartenkünsten des 18. Jahrhunderts bis hin zu Land Art und materiellen Konzeptkunst des späten 20. Jahrhunderts nachverfolgt, anhand von theoretischen Abhandlungen wie auch literarischen Texten beispielhaft behandelt.

Landscape Inscriptions revisited
This seminar will focus on the written descriptions as well as on depictions of signs and letters in “landscape” (writings and images) from 18th century views on gardens and parks to late-20th century land and conceptual art, in order to reflect upon readerly approaches to written signs and script in pictorial spaces. The main reference points for the study and reflections upon script, typography, writing, and images will be various entries in Walter Benjamin’s prose collection „Einbahnstraße“ (1928), and other writings by him on temporality and spaces.


„Der Deutsche Wald erzählt: Mythos Bilder Geschichten“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2011/2012
Eingefasst in allgemeine Überlegungen zur Beschreibung und Bestimmung von Landschaft und dessen Repräsentationen in literarischen Texten und Bildern, soll in diesem Seminar „der deutsche Wald“ der letzten 250 Jahre einer Folge von Lektüren unterzogen werden. Den Wald wird dabei als eine durch „Mythos, Bilder, Geschichten“ fabrizierte Projektionsfläche für Begriffsarbeiten zu betrachten sein, wenn sich in seiner Darstellung bildlich Vorstellungen von Identität und Nation, Wachstum und Nachhaltigkeit, Arbeit und Eigentum, Modernität und Tradition, Natur und Künstlichkeit mitteilen. Nicht ein Ort für historisch-volkskundliche oder motivgeschichtliche Interpretationen werden die Lektüren im Seminar eine Form medialer Historiographie beschreiben, Leitbegriffe der Wald-Bestimmung in literarischen Darstellungen als instabile Einschreibungen zu betrachten suchen. Problematisiert werden soll die gängige und doch kurz greifende These von der Kontinuität eines „romantischen Waldbewusstseins“ „der Deutschen“ von der „Romantik“ bis ins 21. Jahrhundert. Lektüren in der Wald-Literatur von frühen forstwissenschaftlichen Schriften des 18. Jahrhunderts über ausgewählte literarische Texte des 19. wie des 20. Jahrhunderts bis hin zu Filmbildern der jüngeren Gegenwart sollen den Wald als einen mit der Zeit multimedial aufbereiteten Schauraum zeigen, in dem nationalistische Diskurse und die Selbstvergessenheit deutscher Geschichte, eine wehmütige individualistische Sehnsucht nach einem idealisierten Gestern in einer fiktiven Vor-Moderne immer als Kontrastierung zu der Auseinandersetzung mit der Macht und Bedrohung einer Gegenwärtigkeit des Materiellen auftauchen. Waldgänger, Partisanen, Spaziergänger, Soldaten, Förster, Räuber, Verirrte, Flüchtlinge, Waldbauern, Lagerinsassen, Ausflügler bevölkern als Figuren die Wälder des Essays und der Erzählungen, der Bildgeschichten wie der Märchen. Eine kritische Rekonstruktion des Waldes als einer Fiktion in der Materialität des Literarischen mit konkreter Funktion für die jeweiligen Diskurse der Gegenwart zeigt diese Figuren als Funktionsträger für die Bestimmung „des Waldes“ nicht als eines Kollektivsymbols, sondern als eines auf Zeit in Text und als Abbildung konstruierten Gedächtnisorts seiner medialen Erschaffung. Texte in Auswahl: Herbert Achternbusch, Rolf Dieter Brinkmann, E. Canetti, A. v. Droste-Hülshoff, J.W. v. Goethe, Wilhelm Hauff, Elfriede Jelinek, E. Jünger, Heinrich v. Kleist, A. Kluge, Theodor Lessing, Justus Möser, Adalbert Stifter, W. Tieck, Robert Walser

„Narrating the German Forest: Myths Image Histories“, Winter 2011/2012
As part of an on-going inquiry into the representations of landscape in literary textes and images, the course will focus on depictions and reflexions on “the German forest,” to be found in essays as well as in literary texts, fairy tales and films from the early 18th-century until the present day. The course will try to evaulate the idea if the recurrent idea of the romaticising nature of the German ia valid after all in view of represntations of one of its foremost motifs: the woods and the forests.


„‚Wir‘ mit Worten. Lektüren zu Sprachreflexionen in (literarischen) Selbst-Gesprächen“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2010/2011
Wo in Literatur und Kommentar ein ‚Wir' scheinhaft selbst ermächtigt auftritt gegenüber sogenannten eigenen und fremden Worten und wenn in literarischen und literarkritischen Texten in Namen eines ‚Wir‘ Sprachreflexionen betrieben werden, kann man dort und dann einen auf Totalitäten und ein Jenseits der Sprache zielenden Hoheitsanspruch hervortreten sehen: "'Wir' ist ein Kampfbegriff von Leuten, die einen Ausschnitt von der Welt nehmen und behaupten, dies sei die ganze Welt." (Kristof Schreuf, Bourgeois with Guitar, 2010) Gerade an jenen Stellen in literarischen Texten wie sprachkritischen Reflexionen aber, wo ein 'Wir' zu Wort kommt und sich von anderen Worten umstellt zeigt, lässt sich auch nachlesen, wie in Texten selbst die Artikulationen von Widerworten gegenüber so wirkmächtigen Stellvertreterbehauptungen bewerkstelligt werden, die sich über die Grenzen der Sprachen erheben wollen. Mittels der Aufmerksamkeit für die sprachlicher Mittel und die Konstellationen, in denen sich das 'Wir' jeweils versetzt wird. Eine solcherart nachlesende Kommentierung des Gebrauchs von Sprache kann mitunter offenlegen – und darin bestände ihre ethische Funktion –, dass (mit)ge-teilte Sprache nicht einfach als ein Ausdrucksinstrument von Subjekten zu verstehen ist. Sondern als ein Medium, mittels dessen und durch das sich die Konstituierung dieser im Singular und Plural anzutreffenden Subjekte in Akten der Ansprache erst ereignet, aufschiebt und verhindert. So wie die ‚Existenz' des Subjekts – nach Judith Butler (Excitable Speech, 1997) – in eine Sprache 'verwickelt' ist, die dem Subjekt vorausgeht und es übersteigt, eine Sprache, deren Geschichtlichkeit eine Vergangenheit und Zukunft umfasst, die diejenige des sprechenden Subjekts übersteigen, wird Literatur als Mitteilung dessen zum besonderen Zeugnis für die Möglichkeitsbedingung eines Fortbestehens und Überlebens in und über Sprache. Das macht die Frage nach dem "Wie: wir-mit-Worten?", die zu den Vorgaben, Modalitäten und Folgen der Herstellung und Infragestellung von Gemeinschaftlichkeit in sprachlichen Mitteilung und Mitteilungen über Sprache in literarischen Texten Stellung fordert, zu einer, die jede von Zeitlichkeiten gezeichnete Interpretation und Lektüre zentral betrifft. Es werden für die Thematik einschlägige Texte und Schriften von Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, Samuel Beckett, Georg Büchner, Paul Celan, Jacques Derrida, Hans-Georg Gadamer, Elfriede Jelinek, Novalis, Franz Kafka, August Wilhelm Schlegel sein, die wir gemeinsam in diesem Lektüreseminar lesen und besprechen. – "Aber wer, wir?" (Jacques Derrida, Fines hominis, 1968)

„‘We’ with Words. On Self-reflexions in literary Language and Commentary“, Winter 2010/2011
Literary and literary-critical texts will be read to discuss the significance of the articulation of the 'we' in discourses about and in language. Texts under discussion are by Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, Samuel Beckett, Georg Büchner, Paul Celan, Jacques Derrida, Hans-Georg Gadamer, Elfriede Jelinek, Novalis, Franz Kafka, August Wilhelm Schlegel.


„Karl Philipp Moritz’ Schriften in und zur Anschauung“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Sommersemester 2010
Karl Philipp Moritz (1756-1793) ist der Große Vergessene der deutschen Literatur. Einer unserer Klassiker allerersten Ranges, deren wir so viele gar nicht haben, wie die Flut der Reihen uns weiszumachen trachtet, aber einer, der in keiner auftaucht. Ein genialer Kopf des genialen XVIII. Jahrhunderts, den schon das XIX. kaum mehr kannte. Der Autor eines umfangreichen Werkes und Herausgeber mehrerer Zeitschriften, den noch heute manche für den Verfasser nur eines einzigen Buches von Bedeutung halten, des autobiographischen Romanes 'Anton Reiser'." Zwanzig Jahre nach ihrer Veröffentlichung kann Uwe Nettelbecks seinem "Karl Philipp Moritz Lesebuch" vorangestellte Feststellung, bei dem Autor handele es sich um einen von der Forschung Unbeachteten, länger schon als revidiert gelten, und doch dürfte Moritz einem breiteren Lesepublikum weiterhin tatsächlich weiterhin fern und unbekannt sein. In diesem Seminar soll Moritz als Verfasser sowohl des "Anton Reiser" und des "Andreas Hartknopf", als Reiseautor ("Reisen eines Deutschen in England im Jahre 1782", "Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788") wie als Ästhetiker ("Über die bildende Nachahmung des Schönen") und Stilistiker behandelt werden. Herauszustellen sind dabei von Moritz ästhetischen, philosophischen und pädagogischen Schriften sein Einfluss auch insbesondere auf literaturtheoretische Reflexionen, die Moritz mit seiner Hinwendung auf die ästhetische Autonomie und auf die Werkstruktur bei der ästhetischen Betrachtung anregte und die ihn zu einem wichtigen Begründer einer eigenen Kunstlehre werden ließen. Diese gilt es im Vergleich zu Schriften von Goethe, Winckelmann u.a. zu lesen. Die Aktualität von Moritz' ästhetischen-theoretischen Überlegungen, die sich für eine Autonomie aussprechen, lässt sich auch weiter behaupten, mit Worten von Peter Szondi: "Schwerlich lässt sich in der theoretischen Literatur des 18. Jahrhunderts etwas finden, das für die Methodendiskussion der Literaturwissenschaft im 20. Jahrhundert von größerer Aktualität wäre als diese Forderung." Diese Ausgabe gilt es zu problematisieren. Ebenso soll Moritz' Wirkung und Einfluss auf Autoren des 20. Jahrhundert zur Sprache kommen (Arno Schmidt, Thomas Meinecke u.a.), um so die Aktualität eines 'Klassikers' zu akzentuieren und der Frage nach dem 'Zeitgemäßen' nachzugehen.

“Karl Philipp Moritz’ Introspections in Writings”, Summer 2010
This seminar will look at Karl Philipp Moritz in a number of different lights: as the author of Anton Reiser and Andreas Hartknopf, as a travel author ("Reisen eines Deutschen in England im Jahre 1782" and "Reisen eines Deutschen in Italien in den Jahren 1786 bis 1788"), as an aesthete ("Über die bildende Nachahmung des Schönen"), and as a stylistician. In examining Mortiz’s aesthetic, philosophical, and pedagogical writings, particular emphasis will be placed on how his turn to aesthetic autonomy and the structure of the work in his aesthetic observations influenced literary theory and made him one of the most important founders of a classical theory of aesthetics. The currency of his ideas on aesthetic theory, which express a sense of autonomy, can also be supported by Peter Szondi’s words: “It would be difficult to find something in eighteenth-century theoretical literature that would be more relevant to twentieth-century debates on literary methods than [Moritz'] postulate [on the autonomous art object]." This for itself is an issue that requires interpretation. We will also discuss Moritz’s impact and influence on twentieth-century authors (Arno Schmidt, Hubert Fichte, Thomas Meinecke, and others), in order to accentuate the modernity of a “classic” and examine the question of what is actually in keeping with the times.


Nach der Natur. Naturschilderungen im 18. und 19. Jahrhundert“,Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2009/10
Die weiterhin fortwirkende Epistemologie der Grenze zwischen Natur und Kultur, d.h. die funktionalisierende Repräsentation dessen, was als Nicht-Natur Natur bestimmt, kann angesichts von Naturschilderungen in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts besonders vielperspektivisch erörtert werden. Von Idyllen des mittleren 18. Jahrhunderts (Gessner, Müller, Voß), über Gartenbeschreibungen wie die vom naturwissenschaftlichen Denken mitgeprägten Naturdarstellungen (Goethe, Brockes, Klopstock) und Reisebeschreibungen der Wende um 1800 (Forster) bis hin zu den Naturdetailschilderungen des mittleren 19. Jahrhunderts (Stifter) reichen die ausgewählten Texte, in denen das Motiv der Lesbarkeit in der Natur und der Bezeichnung von Standpunkten der Betrachtung gegenüber der Natur aufgesucht werden soll. Kombiniert werden diese mit Ausführungen zur Naturbegriffsproblematik wie sie sich in zeitgenössischen Erörterungen (Rousseau, Herder) finden. Einen Betrachtungsmittelpunkt wird in den Lektüren der im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts bedeutsam werdende Begriff der "Darstellung" als Index einer theoriegeschichtlichen Neuperspektivierung einnehmen, der sich als Gegenbegriff zu "Abhandlung" und "Beschreibung" in Wissenschaft und Kunst konstituiert und dessen Akzentuierung es erlaubt, in den Naturschilderungen Modalitäten der Repräsentation – gerade mit Blick auf die Bildlichkeit in den Texten – sichtbar werden zu lassen. Ansichten auf: Natur, Idyllen und Beschreibungen des Naturschönen; Nachbildungen und Gartenkünste im 18./19. Jahrhundert; Schiller Nachlesen und Nachgehen; Kleist und Brentano vor einem Bilde/ Goethe zur Malerei; Goethes Wahlverwandtschaften; Gottfried Keller; J. v. Eichendorff/Adalbert Stifter

„After Nature. Descriptions of Nature in 18th and 19th-century Literature“, Winter 2009/2010
The center of attention in this seminar lies with the epistomological rift between nature and culture, i.e. the modes of representation of the difference between the two polar opposities, as to be found in literary descriptions of nature scenes. The discussion of nature descriptions in literature of the 18th and 19th century allows for a critical assessment of this notion from a plurality of viewpoints. The texts to be read in this class range from the Idyllen of the mid-18th-century (Gessner, Müller, Voß) to garden descriptions, essays dealing with the natural sciences (Goethe, Brockes, Klopstock), travel writings, and to micro-descritions of natural phenomena (Stifter), accompanied by theoretical reflections on the topic in essays from that period (1750-1850). A main focus is granted to the use of the term "Darstellung" (representation), gaining importance as an opposite to "Abhandlung" and "Beschreibung" in the discourse of that time while in retrospect reflecting the then current modalities of description as textual practice.


„Kluge-Medien-Lese: Lektüren mit Geschichte und Eigensinn in Alexander Kluges Prosa, Filmen, Fernseharbeiten“,
Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2009/2011
„Das alles hat den Charakter einer Baustelle. Es ist grundsätzlich imperfekt..." Alexander Kluges Arbeiten bieten sich an als Lesestoff, diese programmatische Einstellung zur eigenen Erzählhaltung in kritisch-reflektierende Betrachtungen zu überführen, die weit über das zum Film "Brutalität in Stein" (1960) und den Prosaband "Lebensläufe" (1962) zurückreichende erzählerische oder filmische Werk dieses Autors hinausweisen. Orientiert wird diese "Kluge-Medien-Lese" der Werkteile Kluges als Lektüre entlang einer offenen Reihe von Begriffen, die in den Geschichten dieses Gegenwartsdarstellers multiperspektivisch verhandelt werden: Realismus und Erzähltradition, Fiktionalität und Multimedialität der Darstellungsformen, Tauschverhältnisse von Gefühlen, Arbeit und Herrschaft, Geschichtstheorie als Denkbild, Öffentlichkeit als Handlungsraum der Worte und Zeichen, Montage und Totalitätsimaginationen. Leitperspektiven bieten drei Haltung zum Material, welche in Kluges Erzählungen wie nicht weniger in seinen Theorieschriften immer wieder als Motive auftauchen: Beharrungsvermögen, Aufmerksamkeit, Liebe. Widmet sich das Seminar vorrangig Texten (Prosa, Essays, Reden, Interviews) und Bildern (Filmen, Fernseharbeiten und Bildmontagen) eines einzelnen Autors, so wird Kluges Produktion in den verschiedensten Medien gleichzeitig nur in Korrespondenz zu einer Vielzahl disparater Texte anderer Autoren zu lesen sein: darunter u.a. Heinrich v. Kleist, Karl Marx, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Marcel Proust, Heiner Müller. "Historischer Materialist“, "lakonischer Erzähler", "Chronist der Gefühle", "Quotenkiller"– der Lektüreblick auf die Produktionen des so Etikettierten erlaubt nämlich auch – und das ist zentral – zu betrachten, wie und unter welchen Bedingungen der Autorbegriff im Autorschaffen zur Zeit in der Gegenwart seine Fortschrift erfährt.

“Reading Kluge Media: Alexander Kluge’s Works in Prose, Film, Television”, Winter 2009/2010
This seminar deals with the works of author and filmmaker Alexander Kluge. It is organized as a series of readings of numerous of his prose texts, films, and theoretical essays on film and society (ranging back to 1960) to present a wide-ranging picture of this author and filmmaker, and theorist. Therefore Kluges writings and film making (as well as his works for television) will receive equal attention. Kluge's notion of the real and his peculiar forms of narration will be discussed at length and in correspondence with the writings of others such as Heinrich v. Kleist, Karl Marx, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Marcel Proust, Heiner Müller. Three key terms inform the perspective with which the in-depth readings will be performend in class: insistence, attentiveness, love.


Bildbeschreibungen. Übersichtliches zu Bild-Text-Texten“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Sommersemester 2009
Immer wieder stellt sich angesichts von Bildbeschreibungen die Frage, als was und wie Bilder zu lesen sind, die als in Literatur beschriebene auftauchen. Was haben Bildbetrachtungen, wie sie in literarischen Texten zu finden sind, über das Bild des literarischen Textes – und über dieses hinaus – zu sagen? Was sprechen sie aus und was verbildlichen sie als Beschreibungen? Welches Bild von textlicher Bildlichkeit erzeugen Bildbeschreibungen in der Literatur? – Der Beziehung zwischen Bild und Text mittels solcher Fragen nachzugehen, hat in der Ästhetik eine lange Tradition. In einer Gegenwart medientheoretischer Hoheitsansprüche gegenüber dem Thema der "Bild-Schriftlichkeit" erscheint es aus Sicht der Literaturwissenschaft angebracht, Bildbetrachtungen wiederholt als Bildbeschreibungen in den Blick zu nehmen: d.h. Bilder als in Worten beschriebene zu lesen. Denn aus der Sicht einer ästhetiktheoretisch informierten literaturwissenschaftlichen Lektürepraxis erscheint kein Bild ohne Worte; werden Bilder in dieser Betrachtung durch beschreibenden Worte "gemacht", wenn diese sich als Verbildlichkeitsmedien zur Darstellung von Bildern dem Lesen anbieten. Als solche in literarischen Texten in Form von Bildbeschreibungen auftauchen. Ziel dieses Seminars ist es, in Lektüren zu Ansichten von Bildern zu kommen, die als kommentierenden Darstellungen von Lese-Praxen und ihrer Bedingungen betrachtet werden. Bildtheoretische Erörterungen – zur Ekphrasis – sollen dabei in detaillierten Lektüren mit literarischen Texten vornehmlich aus dem 20. Jahrhundert kontrastiert werden. Angelegt als ein einführender Überblick zum Thema soll dieses Seminar die Frage nach den Modalitäten des Lesen – der Lesepraxis von Bildern wie der Produktion von Vorbildern bei der Bildbetrachtung – angesichts von Bildbeschreibungen ins Zentrum der Betrachtung rücken und kritisch erörtern. Standpunkte zur Frage nach dem Lesen von beschriebenen Bildern liefern Texte von Autoren wie Heinrich von Kleist, Bertolt Brecht, Peter Weiss, Heiner Müller und Thomas Bernhard. Sekundiert wird die Auswahl literarischer Texte von theoretischen Erörterungen zur Bildbeschreibung und Bildtheorie, beginnend im 18. Jahrhundert (Gotthold E. Lessing, Laokoon) bis ins späte 20. Jahrhundert (Michel Foucault, "Dies ist keine Pfeife").


Zeit-Lesen. Einführungslektüren in Texte zum Heute, Gestern, Morgen“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Sommersemester 2009
Alles hat seine Zeit, liest man. Das lässt fragen: Wie gilt das für literarische Texte und ihre Lektüren? Welche Rolle spielt Zeit in Texten? Wie bestimmt das in sie eingeschriebene Zeitmoment dann im Lesen die Texte zur Zeit? In Tagebüchern, Berichten, Kalendergeschichten, Zeitmitschriften? Alles zu seiner Zeit, sagt man. Wie also bestimmen ökonomische Vorgaben die Lektüren, die Texte als Darstellungen ihrer Zeit lesen lassen? Als wie zeitgebunden – geschichtlich – können (literarische) Texte betrachtet werden – unter welchen Umständen und nach welchen Vorgaben? Allgemeiner gefragt: Wie macht sich Zeit in der Literatur präsent? Wie werden in literarischen Texten unterschiedliche Wahrnehmungsformen von Zeit, ihr Vergehen, ihre Präsenz, ihr Fehlen zur Darstellung gebracht? Konkret gilt es Fragen wie diese, Fragen, die in jeder Interpretation auch unausgesprochen beantwortet werden, anhand von literarischen Texten zu stellen: in Einzellektüren. Problematisiert werden sollen weithin als gültig erachtete Annahmen gegenüber der Zeit als kategorialer Ordnung bei der Praxis des Lesens, fixiert in Begriffen wie dem der „Erzählbarkeit“ von Zeit sowie der entschiedenen Unterscheidung von Erzählzeit und erzählten Zeit. Anhand von zahlreichen zumeist kürzeren Lesestücken – Werkausschnitten, Tagebuchpassagen, Kalenderblättern, Kurzgeschichten, Vignetten – wird die Zeit-Beschreibung in – mehrzählig literarischen – Texten in ihrer Zeitgebundenheit als etwas zu beschreiben sein, was Abbildung von etwas im Moment des momentanen Vergehens ist: das Stattfinden der Wahrnehmung von Zeit – in der Lektüre. Material zum Zeitnachlesen in diesem Seminar liefern die folgenden Autoren: Heinrich von Kleist, Johann Peter Hebel, Marcel Proust, Hugo von Hofmanntshal, Franz Kafka, Heimito von Doderer, Bertolt Brecht, Alexander Kluge, Rainald Goetz. Ausgewählte philosophische Grundlagentexte zum Zeitverständnis ergänzen das Lektüreprogramm.


„Erzählen von Orten — Orte des Erzählens“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2008/2009
Als ein Seminar im Basismodul Literaturgeschichte werden ausgewählte literarische Texte vornehmlich aus der deutschsprachigen Literatur aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert behandelt, in denen Orte und Städte und Landschaften als Erzählräume und als Handlungsräume für Erzählungen fungieren. Anhand von ausgewählten Texten zur Darstellung von Orten, Landschaften und Städten von 1870 bis in die Gegenwart sollen einführend vielfältige Aspekte des "Ortes" als eines Motivs in Literatur und des "Ortes" als Thema behandelt und so Grundlagen und Techniken des literarischen Erzählens und Überlegungen zur Gattungstheorie und Literaturgeschichte thematisiert und veranschaulicht werden. E.T.A. Hoffmann: Bergwerke von Falun, Johann Peter Hebel: Unverhofftes Wiedersehen, Heinrich von Kleist: Das Erdbeben in Chili, Heinrich von Kleist: Das Erdbeben in Chili, Gottfried Keller: Romeo und Julia auf dem Dorfe, Walter Benjamin: Berliner Kindheit um Neunzehnhundert, Thomas Mann: Tod in Venedig, Alexander Kluge Massensterben in Venedig, Thomas Bernhard: An der Baumgrenze, Peter Handke: Der kurze Brief zum langen Abschied

“Narrated Sites – Sites of Narrations”, Winter 2008/2009
Focussing on narrative texts from the 19th to late-20th-century, this class will discuss and intepret narrative forms of literary descriptions of places and spaces, i.e. landscapes, cities, territories. Placing the "site" into the center of attention when reading narratives will allow a discussion of the motif of "place" (or topos) as it creates multiple forms of literary "realism" and shapes a plurality of relations between space and time. The selection of texts ranges from Gottfried Keller to Thomas Meinecke.


Dada: Schrift-Laut-Bild-Betrachtungen zur literaturhistorischen Einführung“,Universität Erfurt, BA-Seminar, Wintersemester 2008/2009
Als literaturhistorische Einführung wird das Seminar den Sprachgebrauch von Dada überblicksartig und mit Blick vor allem auf dessen multimediale Praktiken behandeln. Die unter die Sammelbezeichnung "Dada" gebrachten Bild-, Laut-, Schrift-Produktionen bleiben auch mit dem Abstand eines Jahrhunderts und nach ihrer Historisierung als Zeugnissen einer der wichtigen historischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts Herausforderungen für Interpretationen und Reflexionen zu Literatur, Sprache, Gesellschaft – und beispielhaft präsent für die Entgrenzung der Künste. Neben einer allgemeinen Darstellung zu Dada als "künstlerischen Bewegung" – wie auch anderer Avantgardebewegungen des 20. Jahrhunderts und ihrer Zeugnisse – werden im Seminar die Sprachbildlichkeit und die Materialität der Schriften im Vordergrund stehen. Behandelte Themen in Auswahl: Typographie und Bildräume, Orte der Schrift, Performance, Schriftkörper und Selbstbeschreibungen, visuelle Sprache und Lautbilder.

“Dada: an Introduction to the Writing-Sound-Images of a historical Avantgarde Movement”, Winter 2008/2009
This class, as a partial introduction to literary history, will focus on the use of language of Dada, one of the most influencial avantgarde movents in the 20th-century. Center of attention will be given to multi-media practices which were a hallmark of Dada – and key examples fort he dissolution of the boundaries between the arts. A discussion of the multiple practices of word, images and sound productions will be accompanied with an historical overview on other so-called (post-)avantgarde movements. Topics include: writing and the image, typography and image spaces, locations and performaces, bodies of text and visual inscriptions, sound images.


Die Stadt, ihr Text und ihre Zeit: Lektüren zur Temporalität von Stadtbildern im 20. Jahrhundert“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Sommersemester 2008
Wie Texte kann man auch die Stadt als eine Ansichtsache betrachten. In der Literatur zeigt sich die Stadt des 20. Jahrhunderts als ein Gegenstand vielfacher Ansichten. In den Interpretationen dieser Ansichten verbergen sich die vielfältigen Sichtweisen auf ein jeweilig perspektivgebendes Verständnis von Literatur und Textbegriff. So unterschiedlich die Darstellung von Stadt im Text im Laufe der Zeit, so verschieden die theoretischen Blickwinkel, aus denen heraus Großstadtliteratur im 20. Jahrhundert zum Thema und Herausforderung literatur- bzw. kulturwissenschaftlicher Fragestellungen wurde und immer wieder wird. Betrachtet man den von Zeichen errichteten urbanen Raum als einen Zeitspeicher für Lektüren und interpretiert die literarischen Texte zur Stadt als Medien zur Zeitvermittlung in Lektüren – und einmal nicht vornehmlich einfach als Dokumente sozio-historischer Entwicklungsgeschichten –, so rückt die Medialität der Stadt als Text und die der Stadt im Text als zentral in den Blick. Die Stadt des 20. Jahrhunderts als ein montiertes Schriftensemble und eine be- und überschriebene Oberfläche zu sehen muss Folgen haben für die Lektüren von Stadtdarstellung in Text und Bild: die Gegenwärtigkeit einer errichteten und technisch reproduzierten Schriftbildwelt, in welcher die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft von Zeichenproduktionen zeitgleich an- und abwesend sind, konfrontiert mit der Frage, wie Lektüren diese Zeitbeziehungen in Schriftbildern erfassen. Mit anderen Worten: wie sie sich lesen lassen. Einen Eindruck vermitteln davon literarische Texte der Stadt, die in und an sich Spuren der Reflexionen ihrer Medialität hinterlassen. Im Seminar wird zu betrachten sein, wie sich Texte – auch Beispiele aus Film und Fotografie – beispielhaft als Zeit-Lektüren lesen lassen – und als solche die Zeitwahrnehmung in Lektüre herausfordern.

“Readings in Temporality: the City of the 20th-century and its Times”, Summer 2008
All in all, the many descriptions and narratives of the city in the 20th-century in literature can be regarded as a perfect medium to reflect upon the inter-relations between the temporality of reading and of the production of signs and images. In the space of the urban landscape and on the pages alike. Once looked at as means to convey time and to reflect upon the temporality in reading and of readings, texts about cities can represent much more than just illustrations to one or the other history of the city or metropolis, to sociological analysis or cultural studies interpretations. If the city itself – as a multifold surface made of montage and palimpsests – becomes a archive of historical and present readings of the city's structures, layers, and vistas, and thus appears to be a textual phenomenon in its own right, literature becomes a double representation: it can be read as a borderless archive, a storage medium of limitless city's images as well as simultaneously as an reflection upon acts of storage and re-production processes of the representations in language in and over time. In order to open discussion about relations between the mediality of reading and city sites, on book pages and beyond, this class will consist of a series of close readings of literature on and about cities from the German literary and cultural tradition.


„Beschriebene Landschaften in deutscher Literatur 1750-2000“, Universität Erfurt, BA-Seminar, Sommersemester 2008
Das Seminar macht ausgewählte Landschaftsdarstellungen in der Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts zum Gegenstand. Verstanden als Ausdruck historisch spezifischer Vorstellungen von Natur, als ästhetischer wie politischer Konstruktion und als Oberfläche von Projektionen zur Selbstverortung der Betrachter, können Landschaften in literarischen Darstellungen seit dem 18. Jahrhundert vielperspektivische Aussichten auf ästhetische Konzepte und Interpretationsweisen eröffnen. Unter Einbeziehung theoretischer Texte zur begriffs- und sachgeschichtlichen Verortung der Beschreibungen von Landschafts-Text-Bildern liefert das Seminar einen – notwendigerweise ausschnitthaften – Überblick auf ihnen zentrale Motive: Natur und Kultur, Raum und Zeit, Ganzheit und Teil, Dauer und Gegenwärtigkeit. Problematisiert werden soll die weithin Geltung beanspruchende erkenntnistheoretische Annahme, Landschaft sei – seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart – erstrangig als Phänomen subjektiver ästhetischer Wahrnehmung und Empfindung zu betrachten. In Landschaftsdarstellungen stattdessen eine Aufforderung an die Selbstreflexion eigener Lektüreperspektiven zu erblicken und das Subjekt erst in den beschriebenen Landschaften sprachlich entstehen zu sehen, wird anhand von literarischen und ästhetiktheoretischen Texten zur perspektivgebenden Aufgabe des Seminars. Zusätzlich sollen Beispiele aus Landschaftsmalerei, Fotografie und Film zu einer vergleichende Sicht auf gegenwärtig präsente Bildvorstellungen von Landschaft anregen, die wie selbstverständlich – als natürlich sich präsentierend – von medialisierten Bildern und ihrer Geschichte bestimmt werden – immer in Texten.

“Landscapes in Words”, Summer 2008
In this course, a wide selection of landscape descriptions in German literature from the 18th to the late 20th-century will be placed into the focus. To be taken as specific expressions of the different historical notions of nature and culture, as aesthetic and political constructions, as well as the surface for various projections of the self-localization of viewers and readers alike, passages on landscapes in German literature since the 18th-century can be taken as vista points for self-reflexive modes of interpretation. A selective view on the rich tradition of texts on landscape will offer material for pluri-perspective readings. The prominent notion that landscape, from the 18th-century on, has to be taken for the most part as the result of appropriations of the modern subject, and thus can serve as a proof for the epistemological premise that modernity sees the viewer-I and reader-I locating him- or herself through the gaze upon inner and outer landscapes will be put under scrutiny by pairing literary texts with theoretical and aesthetic reflections. With reference to landscape descriptions in other media besides literature, i.e. landscape painting, photography, and film, the aim of this course will be to offer close readings of past and currently prevelant ideas on the imagology of landscape and the views on its descriptions - in words.




Lehrveranstaltungen an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Design

„Wald – Bild – Geschichten. Zur Einführung in die Text-Theorie und Textgestaltung“, Wintersemester 2011
„Schreib­Werk­Praxis – Übungen und Lektüren zum Text­Verfassen und Bild­Beschreiben. Einführung in die Text-Theorie und Textgestaltung“,
Wintersemester 2011
„Nichts als Reste. Zu Ästhetiken der Wiederverwendung von Text und Bild“, Sommersemester 2011
„Schreib-Werk-Praxis. Übungen und Lektüren zum Text-Verfassen und Bild-Beschreiben“, Sommersemester 2011



„Den Text betreffend. Lektüren zu Paratexten und Beiwerken von Text, Bild, Ton“, Wintersemester 2010/2011,
Seminar Design- und Text- und Medientheorie

Bei allem Textgestalten sieht man sich vor Fragen gestellt: Wo beginnt ein Text? Wo endet er? Wie und wodurch findet er sich begrenzt und definiert? Der produktive gestalterische Umgang mit Texten muss auf diese Fragen nach der Ordnung des Textes und seiner durch Gestaltungskonventionen bestimmten Form Antworten finden. Darum soll in diesem Semester die Aufmerksamkeit dem gelten, was jeden Text umgibt – und ihn dadurch bestimmt: den sogenannten Paratexten. Dazu zählen Titelblätter, Vorworte, Überschriften, Fußnoten, Filmvorspänne, etc.. Sie dienen Texten als Rahmen – und bestimmen so ihre Rezeption. Textbeispiele (auch aus der Populärkultur) aus dem gesamten 20. Jahrhundert dienen als Grundlage für die Diskussion dienen, in der es um die Kontextualisierung von Texten mittels Gestaltung geht. Das Seminar besteht zu einem Teil aus Auseinandersetzungen mit wichtigen Texten zur Debatte von Paratexten und Rahmungen (Gérard Genette u.a.). Andererseits soll Raum sein für praktische Übungen, in denen auch eigene studentische Projekte besprochen und entwickelt werden sollen.


„Buchmacher. Besuche in der Praxis“, Wintersemester 2010/2011, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
In diesem Seminar wird das Medium Buch als ein Gegenstand, als ein Produkt und als ein Kulturträger in Produktion und Herstellung, Distribution und Aufbewahrung betrachtet und diskutiert werden. Werkstattberichte verschiedener "Buchmacher" werden exemplarische Einblicke in die Arbeit am und mit dem Medium Buch geben. Die Berichte aus der Praxis sollen Anlass und Anregungen für die Diskussion verschiedener Theorien zum Medium Buch liefern. Die Besuche in der Praxis führen zum wissenschaftliche Fachverlag und zum bibliophilen Kleinstverleger, zum Bibelmuseum und zur Westfälischen Blindenhörbücherei. In einem für den Kurs zu erstellenden Gestaltungsprojekt soll jeweils ein Porträt eines Ortes realisiert werden, an denen "Buchmacher" tätig sind.


„Kluge-Bild-Texte: Betrachtungen zum Realismus der Bilder“, Sommersemester 2010, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Komplexe Bild-Text-Bezüge sind kennzeichnend für die TV-Arbeiten des Medienarbeiters, Autors, Filmemachers Alexander Kluge; sie bestimmen auch die Lesbarkeit seiner vielen Bücher, gefüllt mit Theoriegut wie Prosastücken zu einer aus Bruchstücken der Vergangenheit sich ergebenen Gegenwart. In diesem Seminar sollen die Formen der Bildlichkeit von 'Realität' und Modalitäten von Lesbarmachung einer als image konstruierten Wirklichkeit Aufmerksamkeit erhalten. Diese bleiben auch angesichts einer zunehmend behaupteten Virtualisierung aller Bildmedien aktuell zu befragen. Konkreter Gegenstand werden Bildbetrachtungen aus Alexander Kluges Arbeiten (Film, TV und Buch) sein, ergänzt um ausgewählte Texte zu Bild-, Schrift- und Realismustheorien.


„Kluge-Medien-Lese: Nachlesen in Alexander Kluges Prosa, Film u. TV-Arbeit“, Sommersemester 2010, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
„Das alles hat den Charakter einer Baustelle. Es ist grundsätzlich imperfekt..." Die Filme, Fernseharbeiten und Prosa Alexander Kluges sich an als Lesestoff und Betrachtungsgegenstände, diese programmatische Einstellung zur eigenen Erzählhaltung in kritisch-reflektierende Betrachtungen zu überführen. Diese "Kluge-Medien-Lese" will Kluges Arbeiten als Lektüre entlang einer offenen Reihe von Begriffen vorstellen und diskutieren, die in den Geschichten dieses Gegenwartsdarstellers verhandelt werden: Realismus und Erzähltradition, Fiktionalität und Multimedialität der Darstellungsformen, Tauschverhältnisse von Gefühlen, Arbeit und Herrschaft, Geschichtstheorie als Denkbild, Öffentlichkeit als Handlungsraum der Worte und Zeichen, Montage und Totalitätsimaginationen. Behandelt werden Filme, Fernseharbeiten, Prosa, Interviews, Bild-Text-Montagen…


„Pop in Text und Bild (1965-2010)“, Wintersemester 2009/2010, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Der Kurs verspricht die beispielhafte Vermittlung von Kenntnissen zur Lektüre und Interpretation, zum Schreiben und zur Gestaltung von Texten. Behandelt werden grundlegende Fragestellungen zum gestalterischen Umgang mit Texten unterschiedlichster Formate. Gegenstand ist Popliteratur (1965-heute) und Pop-Ästhetik in Kunst, Musik, Werbung. Das Seminar vermittelt durch konkrete Text- und Bild-Lektüren Grundlagenwissen zu Texttheorien und zur Schreibpraxis in allen Bereichen der Gestaltung. Zielgruppe sind Studierende aller Gestaltungsrichtungen. Folgende Themenschwerpunkte werden behandelt: historischer Überblick über verschiedene Definitionen von „Text“ und „Schrift“ und "Bild"; Einführungen zum aktuellen erweiterten Text- und Literaturbegriff (Semiotik, Strukturalismus, Post-Strukturalismus); Erörterungen der Beziehung zwischen Bild und Text („Wie beschreibt man Bilder?“,„Kann man Texte als Bilder lesen?“)


„Gehen und Sehen. Ansichten zur Beschreibung und Darstellung von Bewegung“, Wintersemester 2009/2010,
Seminar Design- und Text- und Medientheorie

Wenn wir gehen, kommt mit dem Körper die Geistesbewegung. (...) Wir gehen mit unseren Beinen, sagen wir, und denken mit unserem Kopf. Wir könnten aber auch sagen, wir gehen mit unserem Kopf. (Thomas Bernhard, Gehen) Die Lesbarkeit der Welt (H. Blumenberg) spiegelt sich in den vielen literarisch festgehaltenen Gängen durch die Gegend – durch die Landschaften der Natur, der Stadt, der Imagination. Ob im Märchen, im Volkslied, in Popsongs, in Filmen: Spaziergänge und Wanderungen sind immer ein wiederkehrendes Motiv. In diesem Kurs werden kurze Prosatexte zum Spazierens und Gehens, zum Flaneur und Vagabundentum gelesen, besprochen und behandelt. Die Reisebeschreibungen, Kurzgeschichten, Novellen bilden die Grundlage für individuelle Gestaltungsprojekte der Teilnehmer/innen zum Thema. War ins 20. Jahrhundert hinein der Blick des Spaziergängers an der Landschaftsmalerei geschult, so verändert sich durch die "neuen Medien" Film und Fotografie die Sicht. Auch dieser grundlegenden Perspektivveränderung wird die Aufmerksamkeit bei der Erarbeitung einer Wahrnehmungsgeschichte des Gehens gelten. So werden Filmbeispiele und Bilder (Malerei und Fotografie) mehr als nur Ergänzungen zu den Lesetexten sein, um im Seminar einen materialreichen Überblick über "Gehen und Sehen" zu bieten.


Zeit-Bild-Text: Ansichten zur Darstellung von Zeiten in Wort und Bild, Sommersemester 2009, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Zeit — kostbare Ressource und für jeden Menschen endlich –, vom Lexikon als das im menschlichen Bewusstsein verschieden erlebte Vergehen von Gegenwart zu Vergangenheit sowie von erwartbarer Zukunft zur Gegenwart definiert, ist ein so alter wie immer wieder gegenwärtiger Gegenstand der Darstellung und Beschreibung in Texten und Bildwerken der Literatur, Kunst, Film, Musik. Im Seminar sollen in Lektüren von (literarischen) Texten und in Bilderschauen Unterschiede in der Darstellung – und also Wahrnehmbarmachung – von Zeit in verschiedenen Medien sichtbar gemacht werden. Einführende Übersichtstexte zum Thema Zeit, Zeitlichkeit, Zeitwahrnehmung aus philosophischer, kulturwissenschaftlicher und literarischer Sicht werden die Grundlage für ausgiebige Diskussion zur Visualisierung von Zeit – die Beziehung von Gegenwart zur Vergangenheit und Zukunft, dargestellt in Bild und Text– bieten.


„Denkmal. Ansichten und Lektüren eines Zeitzeichens“, Sommersemester 2009, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Denkmäler sind Erinnerungszeichen. Sie sind Markierungszeichen für die Geschichtlichkeit von Gesellschaft, Künsten, Kulturen – und die ihrer Deutungen. In Denkmälern – auch in Form von Bild, Ton, Text! – repräsentieren sich Herrschaftsansprüche und Deutungshoheiten über Geschichte und ihrer Darstellung; in ihren Formen die Ästhetiken ihrer Zeit. So werfen sie – ablesbar an ihrer Gestaltung und ihren Funktionskontexten – Fragen auf, die für die Designpraxis zentral erscheinen können: Wie werden Ansichten von Gesellschaften über sich selbst, über Öffentlichkeit und Zeitwahrnehmungen bestimmt oder reflektiert? Der kritische Blick darauf, wie Denkmäler – auch in Münster – gestaltet, platziert, übersehen, vergessen werden, will die Wahrnehmung für die Repräsentationsweisen von Geschichtlichkeit schärfen. In Einführungstexten wird ein Überblick über die Geschichte von Denkmalskunst und -diskurs geboten; aktuelle Debatten sollen – multiperspektivisch und kontrovers– diskutiert werden. Die Leitfrage dabei: Wie sehen zeitgenössische Denkmäler heute aus?


„Grundlagen der Textgestaltung“, Wintersemester 2008/2009
Kenntnisse zur Lektüre und Interpretation, zum Schreiben und zur Gestaltung von Texten. Im Seminar werden grundlegende Fragestellungen zum gestalterischen Umgang mit Texten unterschiedlichster Formate in konkreten Übungen behandelt. Das Seminar vermittelt Grundlagenwissen zu Texttheorien und zur Schreibpraxis in allen Bereichen der Gestaltung. Zielgruppe sind Studierende aller Gestaltungsrichtungen. U.a. werden folgenden Themenschwerpunkten behandelt: - historischer Überblick über verschiedene Definitionen von „Text“ und „Schrift“; Einführungen zum aktuellen erweiterten Text- und Literaturbegriff (Semiotik, Strukturalismus, Post-Strukturalismus); - Erörterungen der Beziehung zwischen Bild und Text („Welche Bedeutung hat der Text für das Bild – und umgekehrt?“, „Wie beschreibt man Bilder?“, „Kann man Texte als Bilder lesen?“);- die Problematik der Textsortenbestimmung („Welche Arten von Texten gibt?"); - die Bildlichkeit der Sprache; - Schreibübungen: Bildbeschreibung u. Konzepte


„Bilderschriften und Schriftbilder“, Wintersemester 2008/2009, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Im 20. Jahrhundert findet die Literatur in vielen Medien zum Bild, während die bildende Kunst die Sprache zu ihrer Sache macht. Bilder werden Worte. Die Sprache der bildenden Künste findet ihren Ausdruck in Schriftzeichen. Gestaltungsformen der Gegenwart verstehen sich längst als "Gesamtkunstwerke", in denen Bilderschriften und Schriftbilder integriert werden. Unter dem Schlagwort "Textualisierung" wird Bild selbst als Text und die Materialität der Schrift zu begreifen versucht; "Intermedialität" lautet der Begriff, um die gegenseitige Durchdringung und Integration der unterschiedlichen Darstellungsformen zu fassen. – In diesem Seminar soll ein breiter Überblick über historische und aktuelle Tendenzen in Kunst und Literatur gegeben werden, in denen Schrift im Bild und Bilder als Schriften inszeniert, entworfen und dargestellt, gelesen und gedeutet werden. Materialreich werden Ideen und Theorien zur Bildlichkeit und zum Textbegriff vorgestellt und diskutiert. Angefangen bei den Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts über Konzeptkunst bis hin zu Beispielen aus sogenannter Massenkultur, Werbung und Pop werden Schrift-Kunst und Bild-Texte Gegenstand des Seminars. Ein eigenständiges Gestaltungsprojekt soll die Bildwerdung von Buchstaben, Wortfolgen und grafischer Gestaltung innovativ illustrieren und eigene Konzeptüberlegungen der Seminarteilnehmer ins Bild setzen.


„Resonanzräume und Musikzimmer. Klang, Ort und Literatur", Sommersemester 2008, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Wo spielt die Musik? Welche Musik spielt wo? Wo und wie wird das dargestellt? Welche Bilder und Texte hinterlässt die Musik vor Ort? Wie sind diese zu lesen, d.h. zu deuten und zu verstehen? Resonanzräume und Musikzimmer wie Ortsbeschreibungen zur Musik sind Gegenstand des Kurses. Anhand von Filmen, Bildern und (literarischen) Texten soll so ein selten beleuchtetes Kapitel der Geschichte der populären Musik der letzten 50 Jahre (von Country bis Electronika) nachgezeichnet werden. Oft übersehen, bestimmen seit jeher die jeweiligen Räumlichkeiten die musikalische Aufführungspraxis und Musik ihrerseits prägt die Orte, an denen sie erklingt. Den unterschiedlichsten Resonanzräumen – den Proberäume und Konzertbühnen, Straßen und Plätzen, Wohnzimmern und Radio- wie Fernsehstudios, Diskotheken und Musikclubs, Plattenläden und Aufnahmestudio, Kinos und Supermärkten – kommt eine wichtige kulturgeschichtliche Bedeutung zu, denn in der Gegenwart findet sich kaum ein Ort, der nicht zum Abspielraum von Musik wird. Der Gebrauch von Musik bestimmt den Raum und hat nachhaltig auch die Wahrnehmung des von Musik bespielten Raums – unserer Umwelt – gewandelt. Kulturwissenschaftliche Überlegungen zum Thema werden in einem Gestaltungsprojekt dokumentiert.


„Luftbilder. Landschaft und Kartografien in Literatur seit 1750", Wintersemester 2007/2008, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Während der Blick auf und in die Räume von Landschaft und Stadt seit geraumer Zeit unter dem Stichwort des "topographischen turns" in den Kulturwissenschaften eine neuerliche Renaissance erfährt, ist es abermals die Technologie, die eine Darstellungsform bereithält, die Wahrnehmung der Welt in ganz grundlegender Weise zu verändern weiß: Google Earth macht es möglich, sich mit der entsprechenden Technik ein (sogar plastisch erscheinendes) Bild der Welt auf dem Bildschirm des PCs aufzurufen. Wie seit den Anfängen der Kartographie und der ersten Atlanten und Weltkugeln ungesehen, verspricht dies die Ansicht der Welt und damit der Wahrnehmung von Umwelt zu verwandeln. In vorgeblicher Echtzeit ist es möglich, sich von beinahe jedem beliebigen Ort des Planeten ein Bild zu machen. Gleichzeitig wird damit aber ein Bild von Realität und ihrer Darstellbarkeit neu aufgelegt, welches in ästhetischen und ideologiekritischen Diskursen seit nicht weniger als hundert Jahren immer wieder neu kritisch hinterfragt und als naiv abbildartig und unreflektiert verworfen wurde. Aufgabe dieses Kurses wird es sein, eine kritische Analyse und vieldimensionale Beschreibung von Google Earth, seiner Geschichte, Vorläufer und Vorbilder (in der Geschichte der Karten) zu erarbeiten. Auch der Geschichte der Kartographie, wie sie sich in literarischen Erzählungen wiedergegeben findet, die von Landvermessern erzählen, soll dabei Aufmerksamkeit zukommen.


„Autorenporträt: Heiner Müller", Sommersemester 2007, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Heiner Müller, 1929 — 1995, gehörte als Dramatiker, Schriftsteller, Regisseur und Intendant zu den bedeutendsten Figuren des deutschsprachigen Literaturschaffens im 20. Jahrhundert. In seinen Arbeiten – Theaterstücken wie Prosaarbeiten – befasste sich Müller immer wieder mit den Zusammenhängen von Bild und Text, von bildlichen Darstellungen in der Sprache und mit der Sprache, die Bilder entstehen und vergehen lässt. So sind seine Arbeiten, in denen er in kritischer Nachfolge von B. Brecht und mit dem zeitgenössischen Theater eine Auseinandersetzung mit "dem Menschen im 20. Jahrhundert als Zeitalter der Katastrophen" sucht, dazu geeignet, die Beziehung von Bild und Text in Buch, auf Bühne und in anderen medialen Räumen zu behandeln. Auch die "Figur" Müller selbst – als ein kritischer und privilegierter Intellektueller in der DDR und (nach 1990) im Neuen Deutschland, der immer wieder die Öffentlichkeit der Medien suchte – hat die Aufmerksamkeit zu gelten. Konzentrierte Lektüren kurzer Texten von Heiner Müller sollen eine Bild-Text-Projektarbeit ermöglichen: ein Autorenporträt. Die Darstellungsmittel sind dabei weitgehend freigestellt.


„Stimmen. HörTextPraxis: Hubert Fichte/Rolf Dieter Brinkmann/Rainald Goetz“, Wintersemester 2006/2007, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Wie visualisiert man Stimmen? Innere und äußere Monologe? Schweigen? Stimmungen? Tonfälle, die Zerrissenheit oder Überzeugungen wiedergeben? Wie das Miteinander, Durcheinander, die Gleichzeitigkeit verschiedener Stimmen? Fremde Stimmen, Imitate? Wie setzt man Stimmen ins Bild? Welche gestalterischen Möglichkeiten bieten sich? Nicht weniger schwierig ist es, auf diese Fragen in Textformaten überzeugende, lesbare Antworten zu finden. Texte und Bilder bieten, insbesondere seit technische Aufzeichnungs- und Wiedergabemedien existieren und sie so in Konkurrenz zur gespeicherten und wiederholt abrufbaren Stimme treten, für das Darstellen von Stimmen eine besondere gestalterische Herausforderung. Die Stimme als Herausforderung für bildliche und textliche Darstellungen zu betrachten, wird in diesem Seminar versucht werden. Vornehmlich wird es um Texte (Hörspiele u.a.) von vier deutschsprachigen Autoren gehen, die in einem erweiterten Sinne der Pop-Literatur (der Sechziger/Siebziger bzw. Achtziger/Neunziger Jahre) zugeordnet werden: Hubert Fichte, Rolf Dieter Brinkmann, Rainald Goetz, Benjamin von Stuckrad-Barre. Lektüren und Erörterungen (auch zu Begriffen wie Autorschaft und Intertextualität) sollen zur Gestaltung eines eigenen Projekts führen.


„Aufbewahrungsorte und Archivprozesse“, Sommersemester 2006, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Die Aufbewahrungsorte, die unsere Wahrnehmung von Vergänglichkeit bestimmen, sind überall: Die heutige Zeitung am Kiosk, morgen im Zettelkatalog der Bibliothek verzeichnet. Die Schließfächer im Bahnhof, die Galerie, der Plattenladen, als Orte des Temporären und der Verdinglichung von Transportgegenständen. Der Kinofilm oder das Gemälde, der die Ästhetik eines Gestern ins Heute holt und auf Nimmerwiedersehen im Archiv verschwindet, sich dort dem Morgen anbietet. Aufbewahrungsorte, mit denen wird sich zu befassen sein: in Form von Texten, die ihre Funktion beschreiben, als Abbildungen, die ihre Ordnungsideen ins Bild setzen, als Räume, die die Vorstellung von Dauer präsentieren wollen.


„Kalifornien lesen“, Wintersemester 2005/2006, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Kalifornien: seit seiner Besiedlung und Gründung wurde der „goldene Staat“ im Westen der USA als ein Mythos angesehen, als ein solcher bebildert und beschrieben. Kaliforniens Landschaft und urbanen Räume wurden in den letzten 150 Jahren ungezählte Male in technisch reproduzierten Bildern und in auf vielfältigen Kanälen distributierten Narrationen von Theoretikern, Literaten, Fotografen, Filmemachern zum Gegenstand gemacht. Kalifornien zu lesen, d.h. ein Land exemplarisch als ein Narrativ zu interpretieren, soll in diesem Seminar heißen, ausgewählte Bildtexte und Textbilder zu analysieren und zu diskutieren. In dem auf zwei Semester angelegte Seminar werden dazu literarische und essayistische Texte, Fotos und Filme herangezogen, um Themen wie „Landschaftsnutzung“, „Natur“, „alternative Kulturen“, „Geschichte“, „Straßenverkehr“, „Einwanderung“, „Utopien“ zu behandeln.


„Der Tourist: Reisender in der Gegenwart“, Sommersemester 2005, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Der Tourismus ist eines der großen Phänomene des 20. Jahrhunderts. Reicht auch die Geschichte von Reiseerzählungen bis in die Antike zurück und muss die Reiseliteratur als eine Textgattung gelten, die ihre großen Werke vom Mittelalter bis in die Moderne findet, so führte die Entwicklung zum Massentourismus in der jüngeren Vergangenheit der letzten hundert Jahre mit allen ihren Folgeerscheinungen zu einer Komplexität, die sich als spannend erweisen kann für Fragestellungen, die Repräsentationsformen betreffen: Der Tourist macht, eben als eine stereotype Figur, viele Wahrnehmungsgewissheiten zunichte, stellt er doch immer wieder die Frage nach der Unterscheidbarkeit und Bestimmbarkeit von "eigen" und "fremd", von "wir" und "sie". Was und wen repräsentiert "der Tourist" eigentlich? Wie wird er – in Literatur und Medien – und dargestellt und repräsentiert? Wie wird er identifiziert, beschrieben, zum Klischee und Stereotyp; und wer identifiziert sich mit ihm? Welche Bilder führt der Tourist mit sich? Welche trägt er zurück nach Hause? Wie vervielfältigt er die Bilder der Fremde, die er mit Bildern im Gepäck aufsucht, und wie sehr ist er selbst Produkt von vorgängigen Bildern und Beschreibungen? Das Phänomen "Tourismus" und "Tourist" soll von frühen Reiseführern bis hin zu Reiseerzählungen, Mediendarstellungen und Filmen zum Gegenstand von multiperspektivischen Lektüren werden.


„Landschaftsaufnahmen: Wanderbilder in deutscher Literatur“, Wintersemester 2004/2005, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Im Zentrum dieses Seminars stehen Landschaftsbeschreibungen. So stark die Vorstellung von "Landschaft" in einer Zeit der längst selbstverständlichen (quasi natürlichen) technischen Reproduzierbarkeit von medialisierten Bildern bestimmt ist, so sehr sind es alte Konzepte und Vorstellungen mit langer Vorgeschichte, die auch noch heute unseren Blick auf die "Landschaft" bestimmen und einstellen. Ohne die Ideengeschichte des Begriffs "Landschaft" bis ins Spätmittelalter (Petrarca) zurückzuverfolgen, soll dem Text- und Bildparadigma "Landschaft" (im Gegensatz zur Stadt) in ausgewählten (nicht nur literarischen) Texten zum Thema werden. Hinzugezogen werden auch Bilder (Landschaftsmalerei, Fotografie und Film). Zu zeigen sein wird, wie das Bild der Landschaft sich (im Text) wandelt und auch der Gegenstand "Landschaft" die einfache Beschreibbarkeit und Darstellbarkeit (auch im Bild) immer wieder aufkündigt. Im Seminar wird es in Diskussionen und Lektüren und Bildinterpretationen um verschiedene Landschaftsdarstellungen des 19. und 20. Jahrhunderts gehen.


„Textgestaltung: Stadtbilder“, Sommersemester 2004, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Wie machen wir uns ein Bild von der Stadt? Wie ist das zu beschreiben, was sich in der Moderne als "Stadt" oder "urbaner Raum" bezeichnet findet– und doch seine Einheitlichkeit und symbolische Einheit längst verloren hat? Wie hat sich die Perspektive auf die Stadt als ein überaus komplexes Zeichensystem im Verlauf des 20. Jahrhundert gewandelt? Welches Bild geben Metropolen heute ab – und wie war das gestern? Diesen Fragen soll exemplarisch an literarischen Texten (Großstadtliteratur), aber auch an bildlichen und filmischen Darstellungen von Städten von Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart nachgegangen werden. Im Seminar wird Raum sein für ausführliche Diskussionen ausgewählter Texte (und damit zur Reflexion des Lesens und Schreibens in der Großstadt) und Bildbeschreibungen, daneben aber auch für die Erarbeitung eines eigenen gestalterischen Projekts (mit hohem Textanteil).


„Zeitmitschriften: Tagebuchformate“, Wintersemester 2003/2004, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Tagebücher gelten als private oder gar intime Darstellungsformen, die Raum bieten für einen von Veröffentlichungsintentionen freien Ausdruck von Gedanken. Sie dokumentieren Ereignisse, konservieren Überlegungen, sind der Ort für versammelte Assoziationen und Monologe, Aufzeichnungen im und für den Moment. Einen besonders guten Ruf genießen Tagebücher im Allgemeinen nicht, wird dem Tagebuch als Textgattung doch von jeher kein besonderer literarischer Wert zugesprochen. Wie in diesem Seminar anhand von ausgewählten Beispielen gezeigt werden soll, handelt es sich bei Tagebüchern tatsächlich aber um eine hochkomplexe Form von Zeitmitschriften, die eine Vielzahl von wichtigen Fragen für den Umgang mit Text und Gestaltung aufwerfen. Tagebücher sind dazu geeignet, grundlegende Überlegungen zum Verständnis von Texten anzustellen und einige Selbstverständlichkeiten zu problematisieren, die das Lesen, Schreiben und Gestalten von Texten begleiten: Für wen werden Tagebücher geschrieben? Wer ist eigentlich der eigentliche Adressat eines Tagebuchs? Wer ist als eigentlicher Leser angesprochen? Welche Effekte haben intendierte Leser für die gewählten Schreibformen? Macht es einen Unterschied, ob ein Text für die Öffentlichkeit gemeint ist oder nicht? Welche Funktion übernehmen die Kategorien „privat“ und „öffentlich“ beim Textgestalten? Wie wichtig ist der gewählte Kontext – die gestalterische Form – für das Geschriebene? Welche Funktion haben Bilder? Wie geht man beim Schreiben und Gestalten mit Unabgeschlossenheit und Fortsetzungsdiktaten um? Wie bestimmen Vorläufigkeit und Endgültigkeit als Kategorien das Schreiben und Gestalten? Welche Bedeutung hat die Datierung für das Geschriebene und Gestaltete? Nicht selten treffen in Tagebüchern ganz verschiedene visuelle Ausdruckformen und Gestaltungsformate auf höchst unterschiedliche Textsorten. Zum Gegenstand des Diskussion sollen daher auch Tagebüchern in filmischer oder künstlerisch-visuell gestalteter Form werden.


„Textgestaltung: zur Einführung“, Wintersemester 2002/03, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Die Seminarveranstaltung „Textgestaltung“ soll zu einem kritischen und reflektierten Umgang mit Texten anleiten. Für Fragen der Textverarbeitung – d.h. der Lektüre, des Schreibens und der Gestaltung von Texten – sensibilisiert zu sein, muss als eine grundlegende Qualifikation für die praktische Tätigkeit eines jeden Gestalters gelten. Diese soll in diesem Seminar durch Diskussionen theoretischer Fragestellungen wie durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Textsorten in konkreten Übungen vermittelt werden. Ohne eine Textmodellschulung zu betreiben, soll so an ausgewählten Beispielen ein kritisches Bewusstsein für jene Fragestellungen geschaffen werden, mit denen sich jede und jeder auseinanderzusetzen hat, der produktiv mit Text umgeht. Es ergibt sich folgende, fraglos unvollständige Liste von Aspekten, die diskutiert werden sollen: Wie definiert man einen Text und seinen Kontext? Mit welchen Folgen für das Verständnis von Inhalt und Form? Wann ist ein Text ein Text? Erläuterungen zur Infragestellung von Texteinheit und Originalität durch Montageformen und Zitate. Wo beginnt ein Text überhaupt? Wie geben Paratexte – Titelblätter, Vorworte, Überschriften, Fußnoten, etc. - Texten ihre Rahmen – und bestimmen ihre Rezeption? Ein Text kommt niemals allein: zur Intertextualität als der Beziehung von Text zu Text. Wie lässt sich in und mit Texten schreibend Anschlußfähigkeit erzeugen? Was sagt das Bild zum Text und das Bild im Text? Wie lassen sich rhetorische Figuren verstehen und abbilden? Das umstrittene Recht an den Worten: Fragen zu Autorschaft und Texteigentum im Wandel der Zeit. Als Material zur Diskussion werden in erster Linie Texte aus dem gesamten 20. Jahrhundert dienen, ausdrücklich nicht nur „literarische“ Texte. Neben Werbetexten, Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträgen, Plattencovern, sollen auch textbasierte Arbeiten aus dem Bereich der bildenden Kunst, in denen sich eine bestimmte Haltung zu Text und der Materialität der Schrift widerspiegelt, werden zur Illustration herangezogen. Viel Raum soll sein für praktischen Übungen bei der Textproduktion wie für die individuelle Auseinandersetzung mit textbezogenen Problemen, die sich in studentischen Projekten ergeben. Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme ist die Bereitsschaft zur Übernahme von mehreren Kurzreferaten und zu Beteiligung an praktischen Übungen.


„Paratexte“, Sommersemester 2003, Seminar Design- und Text- und Medientheorie
Wo beginnt ein Text? Wo endet er? Wie und wodurch findet er sich begrenzt und definiert? Jeder produktive gestalterische Umgang mit Texten muss sich diesen Fragen nach der Ordnung des Textes und seiner durch Gestaltungskonventionen bestimmten Form stellen. Darum soll in diesem Semester die Aufmerksamkeit dem gelten, was jeden Text umgibt – und ihn dadurch bestimmt: den sogenannten Paratexten. Dazu zählen Titelblätter, Vorworte, Überschriften, Fußnoten, Filmvorspänne, etc.. Sie dienen Texten als Rahmen – und bestimmen so ihre Rezeption. Textbeispiele (auch aus der Populärkultur) aus dem gesamten 20. Jahrhundert dienen als Grundlage für die Diskussion dienen, in der es um die Kontextualisierung von Texten mittels Gestaltung geht. Das Seminar besteht zu einem Teil aus Auseinandersetzungen mit wichtigen Texten zur Debatte von Paratexten und Rahmungen (u.a. G. Genette, J. Derrida). Andererseits soll Raum sein für praktische Übungen, in denen eigene studentische Projekte besprochen und entwickelt werden sollen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme ist die Bereitsschaft zur Übernahme von mehreren Kurzreferaten und zu Beteiligung an praktischen Übungen.




Lehrauftrag an der Universität Potsdam, Europäische Medienwissenschaft


„Kluge-Medien-Lese. Lesen und Sehen mit Geschichte und Eigensinn in Alexander Kluges Prosa, Filmen, Fernseharbeiten“, Wintersemester 2009/2010, BA/MA-Seminar, Medienwissenschaften
"Das alles hat den Charakter einer Baustelle. Es ist grundsätzlich imperfekt..." Alexander Kluges Arbeiten bieten sich an als Lesestoff und Ansichtssachen, diese programmatische Einstellung zur eigenen Erzählhaltung zum Ausgangspunkt für kritisch-reflektierende Betrachtungen zu machen, die weit über das mit dem Film "Brutalität in Stein" (1960) und den Prosaband "Lebensläufe" (1962) seinen Anfang genommene erzählerische oder filmische Werk dieses Autors hinausweisen. Orientiert wird diese "Kluge-Medien-Lese" als eine Lektüre und Bilderschau entlang einer offenen Reihe von Begriffen, die in den Geschichten dieses Gegenwartsdarstellers verhandelt werden: Realismus und Erzähltradition, Fiktionalität und Multimedialität der Darstellungsformen, Tauschverhältnisse von Gefühlen, Arbeit und Herrschaft, Geschichtstheorie als Denkbild, Öffentlichkeit als Handlungsraum der Worte und Zeichen, Montage und Totalitätsimaginationen. Leitperspektiven bieten drei Haltung zum Material, welche in Kluges Erzählungen wie nicht weniger in seinen Theorieschriften immer wieder als Motive auftauchen: Beharrungsvermögen, Aufmerksamkeit, Liebe. Widmet sich das Seminar vorrangig Texten (Lang- und Kurz-Prosa, Essays, Reden, Interviews) und Bildern (Filmen, Fernseharbeiten und Bildmontagen) eines einzelnen Autors, so wird Kluges Produktion in den verschiedensten Medien gleichzeitig nur in Korrespondenz zu einer Vielzahl disparater Texte anderer Autoren zu lesen sein: darunter u.a. Heinrich v. Kleist, Karl Marx, Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Marcel Proust, Heiner Müller. "Historischer Materialist", "lakonischer Erzähler", "Chronist der Gefühle", "Quotenkiller": Der Lektüreblick auf die Produktionen des so Etikettierten erlaubt nämlich auch zu betrachten - und dies wird ein zentraler Gesichtspunkt der Auseinandersetzung mit Kluge Bildern und Texten sein - wie und unter welchen Bedingungen der Autorbegriff im Autorschaffen zur Zeit in der Gegenwart seine kritische Fortschrift und funktionale Festschreibung erfährt.




Lehrauftrag an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut


„Beschriebene Landschaften. Literatur, Natur und Kultur“, Sommersemester 2008, Grundstufenseminar
Das Seminar macht ausgewählte Landschaftsdarstellungen in der Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts zum Gegenstand von Lektüren. Verstanden als Ausdruck historisch spezifischer Vorstellungen von Natur, als ästhetischer wie politischer Konstruktion und als Oberfläche von Projektionen zur Selbstverortung der Betrachter, können Landschaften in literarischen Darstellungen seit dem 18. Jahrhundert vielperspektivische Aussichten auf ästhetische Konzepte und Interpretationsweisen eröffnen. Unter Einbeziehung theoretischer Texte zur begriffs- und sachgeschichtlichen Verortung der Beschreibungen von Landschafts-Text-Bildern liefert das Seminar einen – notwendigerweise ausschnitthaften – Überblick auf ihnen zentrale Motive: Natur und Kultur, Raum und Zeit, Ganzheit und Teil, Dauer und Gegenwärtigkeit. Problematisiert werden soll die weithin Geltung beanspruchende erkenntnistheoretische Annahme, Landschaft sei – seit dem 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart – erstrangig als Phänomen subjektiver ästhetischer Wahrnehmung und Empfindung zu betrachten. In Landschaftsdarstellungen stattdessen eine Aufforderung an die Selbstreflexion eigener Lektüreperspektiven zu erblicken und das Subjekt erst in den beschriebenen Landschaften sprachlich entstehen zu sehen, wird anhand von literarischen und ästhetiktheoretischen Texten zur perspektivgebenden Aufgabe des Seminars. Zusätzlich sollen Beispiele aus Landschaftsmalerei, Fotografie und Film zu einer vergleichende Sicht auf gegenwärtig präsente Bildvorstellungen von Landschaft anregen, die wie selbstverständlich – als natürlich sich präsentierend – von medialisierten Bildern und ihrer Geschichte bestimmt werden.




Lehrauftrag an der Universität Osnabrück, Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaft, Germanistik und Europäische Studien

„Unzeitgemäß zeitgemäß: Karl Philipp Moritz“, Sommersemester 2007


„Stimmen und die Autorität des Literarischen: von medialen Echos in d. Literatur“, Wintersemester 2006/2007, Hauptseminar
In seinem Erzähler-Aufsatz beklagte der Kulturkritiker und Theoretiker Walter Benjamin Ende der Zwanziger/Anfang der Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts das sich abzeichnende Ende der „Kunst des Erzählens“, die für ihn unauflöslich mit der Tradition der Mündlichkeit und der „Erfahrung“ verbunden sind. Die Geschichte der Literatur des vergangenen Jahrhunderts auswahlhaft darauf zu durchmustern, in wie weit dieser vor dem Hintergrund sich zu dem damaligen Zeitpunkt gerade Erzählräume gewinnender neuer Medien – Kino, Rundfunk – erstellte Befund seine Berechtigung erhielt, wie weit dennoch auch weiterhin „das Literarische“ seine Autorität als Trägermedium für „Erfahrung“ (d.h. die Reflexion von Wahrnehmungen) behauptet, wird Aufgabe in diesem Seminar sein. Medienevolutionen, wie sie im 20. Jahrhundert so sichtbar werden wie niemals zuvor, und epistemologische Brüche führen zu neuen Erzählformaten, Autorkonzepten, Literaturdefinitionen. Diese wiederum finden in literarischen Texten ihre Verarbeitung, die immer doppelte Medium ist: das der Reflexion ihrer eigenen Schreibweisen und das eines Anspruchs, medial bestimmte Realitäten (stets vermittelt) zu reproduzieren, zu kommentieren, zu deplatzieren. Der Autorität der Stimme – der Erzählerstimme im Text, der Autorstimme außerhalb des Textes – fällt dabei eine entscheidende wie kommentiernotwendige Funktion zu. Diese soll an ausgewählten klassischen Texten des 20. Jahrhunderts – literarischen und literarkritischen – von Franz Kafka, Samuel Beckett, Walter Benjamin, Theodor W. Adorno, Jacques Derrida bezeichnet und mit zeitgenössischer Perspektive erörtert werden.


„Textlandschaften: Natur bei Adalbert Stifter und Elfriede Jelinek“, Wintersemester 2004/2005, Hauptseminar
Zur Debatte steht, wie die „Landschaft“ sich – vor dem Eindruck einer vielfachen Reproduktion der immer schon umfassend kulturisierten der Welt des Menschen – als Textparadigma ihren Stellenwert zu behaupten weiß. Und wie "Landschaft", in ihren verschiedenen Anschauungsformen wiederkehrend eingesetzt als Fluchtpunkt, als Utopie, als (negatives) Ideal – in Texten auftaucht und dort für die Konstellation der Handlungen und Konflikte eine bestimmende Rolle spielt: als Gegenstand der Beschreibung, als beherrschende Kategorie, als Motiv. An ausgewählten literarischen Texten von Adalbert Stifter und Elfriede Jelinek werden die darin zu findenden exemplarischen Landschaftsdarstellungen beobachtet, um auszumachen, wie ein sich wandelndes Verständnis von Natur und Kultur in singulären Texten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts seinen Ausdruck findet. Für das Textparadigma Landschaft grundlegende theoretische Überlegungen, wie sie sich bei Rousseau finden und weitreichende Wirkung haben, werden dabei ebenfalls kritische Aufmerksamkeit erhalten. In den Blick genommen werden soll außerdem die Medienkonkurrenz des literarischen Textes zu Landschaftsdarstellungen in Malerei, Fotografie und dem Film, die (nicht erst) im 20. Jahrhundert die Perspektive und Vorstellung auf und von "Landschaft" weithin bestimmten – und weiterhin bestimmen.


„Das amerikanische und das europäische Haus: zwei Bilder für Identitäten in deutscher Literatur seit 1850“, Wintersemester 2002/2003, Hauptseminar
Beim Blick auf „Amerika“ in der deutschsprachigen Literatur – das heißt hier: auf die „Vereinigten Staaten von Amerika“, die nicht erst seit ihrer Gründung als Projektionsfläche für negative wie positive Utopien und als Negativfolie für eigene europäische und nationale Identitätsentwürfe dienten –, fällt die auffällige Verwendung eines sprachlichen Bildes ins Auge: der Metapher des Hauses. Sie taucht in literarischen wie theoretischen Texten auf, in denen jener als „neu“ bezeichnete Kontinent der „alten Welt“ entgegengestellt wird: hier Amerika, wo man bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts Häuser aus dem Versandkatalog bestellen kann, wo Häuser von einem Ort zum anderen versetzt werden, wo Häuser auf Rädern erfunden werden, die die Utopie niemals eingeschränkter Mobilität zu erfüllen versprechen, dort Europa, wo das Haus als Sinnbild für das gesicherte Leben in einer geschichtlich gegründeten kulturellen Gemeinschaft dient. Die Rede von „Europa“ – als dessen Teil „Deutschland“ verstanden wird – und „Amerika“, dessen Ziel hier wie dort die Konstruktion und Behauptung von Identität ist, scheint offenbar immer zugleich ein Diskurs über das Bauen, Wohnen und die Bestimmung des Seins zu sein. In diesem Seminar soll das Auftauchen der Haus-Metapher kritisch untersucht werden: in ausgewählten, nicht nur im engeren Sinne literarischen, zwischen 1850 und 1950 erschienenen Texten, die die europäische und amerikanische Identität zum Thema machen. Einerseits soll die Aufmerksamkeit dabei der Funktion einer metaphorischen Figur in den und für die lit. Texte selbst gelten. Andererseits sollen aus kulturwissenschaftlichem Blickwinkel architektur- und technikgeschichtliche sowie gesellschaftliche Aspekte des Themas diskutiert werden.


„Die Zitate - übertragende Redefiguren in Literatur und Theorie“, Wintersemester 1999/2000, Hauptseminar
Kann man dort lesen.“ „Sagte sie.“ „Ich zitiere.“ Das schreibt sich leicht und taucht so formuliert allerorten auf. Was aber bedeutet es eigentlich zu zitieren? Fremde Rede in der eigenen auftauchen zu lassen? Auf etwas oder jemanden zu verweisen? Unerkannt eine Autorität anzuerkennen oder sich zu bedienen? Das Zitieren gehört zu den grundlegenden literarischen und literaturwissenschaftlichen Operationen. Hier wie dort wird ständig mit Zitaten operiert, oft aber, ohne dass die Operation des Zitierens selbst unter Beobachtung gestellt würde. Betrachtet als eine Markierung im Text, die als Schnitt, als Bruchstelle und als intertextueller Verweis aus diesem heraus- und in andere Kontexte hineinführt, soll das Zitat Anlass sein, Fragen zu stellen: Wer will mit einem Zitat was belegen? Und warum? Verhindern Zitate das Lesen? Hat Zitieren Stil? Wie lässt man sich beim Zitieren beobachten? Wie beobachtet man sich beim Zitieren? Zitatverfahren in literarischen wie literaturwissenschaftlichen Texten zu untersuchen, lässt aufmerksam werden für eine Reihe von bedeutenden und auch problematischen Themen innerhalb des literaturwissenschaftlichen Diskurses: Fragen der Autorschaft und Autorität, Originalitätskonzeptionen, Kanonbildungsprozessen, Selbstinszenierungspraktiken, Urheberrechtsfragen. Zunächst einmal machen Zitate aufmerksam für die Schreib- und Montageverfahren, die der jeweiligen Textproduktion zugrunde liegen – auch der eigenen.




Lehrauftrag an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Angewandte Kulturwissenschaften

„Texte zu Kunst. Verhältnisse in Bild und Literatur“, Sommersemester 2001
„Archiv Katalog Zettelkasten“, Wintersemester 1999/2000
„Dokumentarfilm: Realität, Fiktion, Repräsentation“, Sommersemester 1998
„Interview, Gespräche, Talkshow: Theorie und Praxis“, Wintersemester 1997/1998
Grundstufenseminare „Einführung in die Kulturwissenschaften“, Sommersemester 1997 — Sommersemester 2000